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Die zwei Formen der Wirtschaftlichkeit

Aufgabe/Anfrage

  • Kooperationsgedanke ohne konkreten Hintergrund
  • Aufgabe komplett unklar
  • Wirtschaftlichkeit ist gut, wenn man selber nix zahlen muss

Keine Ahnung von Blogger Relations? Macht nix, wir versuchen es trotzdem mal

Für meinen Foodblog erhalte ich wöchentlich mehrere Kooperationsanfragen. Meistens landen die aufgrund unsinniger Forderungen (Do-Follow-Verlinkung etc.) direkt im Papierkorb. Manchmal sind aber auch Anfragen dabei, die auf den ersten Blick ziemlich interessant sind. So wie die, die ich kürzlich von einer nicht ganz so kleinen Lebensmittelfirma bekommen habe.

Angeschrieben hatte mich ein recht freundlicher Marketingmitarbeiter, der mir sehr sehr ausführlich erklärt hat, was die Firma so macht, warum die Firma so toll ist und was für Pläne man für die Zukunft so hat (Umstellung aller Verpackungen, neue Website, stärkere Ausrichtung der Marke in Richtung biologische Feinkostprodukte). Damit ich mir selbst ein Bild davon machen kann, wie toll die Firma ist, haben sie mich zu ihrem Firmensitz eingeladen. Allerdings ohne konkret zu sagen, was dort so passieren soll.

Weil der Marketingmitarbeiter echt total nett war, habe ich freundlich geantwortet und höflich nachgefragt, was denn überhaupt ihr Ziel bei der Zusammenarbeit mit Bloggern ist und was sie konkret erwarten. Einfach nur die Firma vorstellen? Werbung für die Produkte? Werbung für den Relaunch der Seite? Auch habe ich gleich meine Preise für die unterschiedlichen Formen der Kooperation genannt. Und daraufhin bekam ich diesen herrlich nichtssagenden Text:

Blablabla – Eigentlich wissen wir ja gar nicht so richtig, was wir wollen


“Guten Tag,

ich danke Ihnen für die schnelle und ausführliche Rückmeldung. In der täglichen Beschäftigung mit Lebensmitteln, ihrer Herstellung und Verarbeitung, sind für uns Fragen zur Ernährungskultur und zur Kooperation aller Beteiligten ebenso wichtig wie Fragen der Wirtschaftlichkeit. Was muss ein Lebensmittel leisten, damit es den Menschen als Mittel zum Leben dient? Für den Konsumenten, die verarbeitenden Mitarbeiter und last not least für den Landwirt? Welche Qualitäten und Eigenschaften sind entscheidend für die Lebendigkeit und Ernährungsqualität derselben? Wie und wo werden die Rohstoffe angebaut, wie verarbeitet und welche Konsequenzen haben unsere Entscheidungen für die Wertschöpfungskette und das Wirtschaftssystem, in das wir eingebettet sind? Und schließlich ist das Genießen guter Lebensmittel eine höchst sinnliche Tätigkeit, die uns gewissermaßen auf uns selbst zurückwirft, in dem man schmeckt und in sich selbst hineinhört.

Insofern sind wir eine Plattform für bewusst ökologisch produzierende Hersteller, für hochwertige Verarbeiter, für Händler, die neben dem rein zahlenorientierten Mainstream auch anderes suchen und viele andere (Presseleute, Fotografen, Verpackungstechniker, Werbetechniker etc.) die, wie auch viele Konsumenten, nach einer wahrhaften Verbindung mit den oben genannten Fragen suchen. UND sich diese Fragen außerhalb einer engen Nische, vielmehr im klassischen LEH, „zumuten“.

Eine Kooperation auf rein wirtschaftlicher Ebene wäre in unserem Falle ein „Rein-Raus-Geschäft“. Dafür stehen wir nicht zur Verfügung. Sich an Fragen zu reiben, Herzensangelegenheiten vorantreiben, sich intensiv mit den gewordenen Wirtschaften auseinanderzusetzen, um Erneuerungen anzustoßen, das belebt uns, hierfür brauchen wir Mitstreiter.

Als Teil der Firmengemeinschaft haben wir die besondere Situation, vom Anbau, über die Verarbeitung bis zum Verkauf und der Zubereitung in der Küche die gesamte Wertschöpfung und alle Prozesse rund um Lebensmittel miterleben zu können. Ständig ergeben sich dadurch neue Fragen. Lässt man sich darauf ein, eröffnen sich die Horizonte: erst im Bewusstsein, danach im Handeln.

An erster Stelle sollte daher Ihr persönliches Interesse, Ihr eigenes Motiv stehen. Von dort her kann eine gemeinsame Verständigung und Kooperation wachsen, die dann natürlich auch unter den Blickwinkeln Aufwendungen, Leistungen, Gegenleistungen betrachtet werden. Auf eine erstes Kennenlernen, wenn Sie sich eine Engagement wie oben angedeutet vorstellen können, freue ich mich. Oder Sie rufen mich an, um direkt zu schauen, wo unsere Berührungspunkte zur Zusammenarbeit sein können.”


Ein Engagement wie oben angedeutet?!

Lange Rede kurzer Sinn, diese Firma will offensichtlich auf den Influencer-Hype aufspringen und dachte sich “Hey, lass uns doch mal irgendwas mit Bloggern machen. Und am besten suchen wir solche, die aus purer Herzensgüte alles umsonst machen“. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass man erst die Wichtigkeit der Wirtschaftlichkeit betont, nur um im Nachgang zu behaupten, Kooperationen auf wirtschaftlicher Ebene wären ein “Rein-Raus-Geschäft”

Ich habe, mit einem unterdrückten Grinsen, noch einmal höflich geantwortet und versucht, eine konkrete Strategie für die Zusammenarbeit mit Bloggern aus dem guten Marketingmenschen herauszubekommen. Auf eine Antwort dazu warte ich heute noch. Schade eigentlich, hätte ganz gut werden können 🙁

Bildquelle: silviarita / Pixabay

Post Author
Monica
Monica, 35 Jahre jung, Food- und Lifestylebloggerin von der Schwäbischen Alb. Sie zeigt auf ihrem Blog Dila vs. Kitchen, dass die Schwaben auch noch andere Dinge drauf haben, als nur Spätzle zu schaben.

Comments

2 Comments
  1. posted by
    Roman
    Jan 15, 2018 Reply

    Hallo Monica,
    was hast du denn gegen den Wunsch z.B. nach DoFollow-Links? Danach zu fragen ist doch absolut legitim. Was ist denn in deinen Augen noch “unsinnig”?

  2. posted by
    Monica Albrecht
    Feb 21, 2018 Reply

    Lieber Roman, Do-Follow-Verlinkungen in Kombination mit Vergütung ist gegen die Google-Richtlinien.

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