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Glitzer, Glamour, Kooperationen oder Bloggerlife from Hell?

Viele denken, als Blogger und Produkttester hat man ein lauschiges Leben, einen rosaroten Glitzertraum:
Hier ein Produkttest, dort eine bezahlte (!) Kooperation. Dem ist nicht wirklich so.

Bevor du eine bezahlte Kooperation bekommst, kommen oft Angebote aus der Hölle, z.B. einseitige Kooperationsangebote, von denen nur der Hersteller etwas hat aber keine Gegenleistung bringen möchte, dafür sollst DU aber viel Leistung bringen,…

Ich möchte jetzt keine Produkt-gegen-Beitrag Kooperation schlecht machen. Es gibt durchaus Produkte, für die auch ich so etwas mache. Beispielsweise weil ich die Firma extrem gerne mag und einen überschaubaren Aufwand habe, weil der Wert des zu testenden Produkts meinen Aufwand mehr als wieder gut macht, sich aus der Kooperation Langzeit-Synergien entwickeln. Für mich ist wichtig, dass ein Produkt zu mir, meinem Blog oder meinem Lifestyle passt und die Bedingungen für beide Seiten fair sind. Sowas gibt es durchaus.

Man muss wissen: für einen „Neuling“ mit überschaubarer Reichweite ist es zudem schwer, Pay-Kooperationen an Land zu ziehen. Das darf man als Anfänger nicht vergessen. Keine Firma zahlt dir hunderte von € für 100 Besucher im Monat. Auch für die Firma muss es passen. Hier hilft gesunder Menschenverstand. Es heißt schließlich auch “Kooperation” und nicht “Solo”.

Allerdings würde auch kein Beautyblogger auf die Idee kommen, seinen Vermieter mit Nagellack oder Bodylotion zu bezahlen. Gerade daher sind Blogger, die von diesem Job leben müssen, auf Pay-Kooperationen angewiesen. Für mich ist es zum Glück ein Hobby, aber auch dafür wende ich viel Zeit und Mühe auf. Daher sind „Kooperationen aus der Hölle“ für mich jene, aus denen nur eine Seite Profit schlägt oder die Anfrage einfach zu lustig oder einfach nur schräg ist.

Wenn man anfängt zu bloggen oder Produkte zu testen, freut man sich am Anfang wahnsinnig, wenn man bei Produkttests ausgewählt wird oder wenn man Testangebote bekommt.

Wer regelmäßig bei großen Versandhändlern wie Amazon einkauft und die Produkte bewertet, steigt im Ranking – und damit steigen auch die Anfragen internationaler Verkäufer, die unbedingt Testprodukte gegen 5-Sterne Rezensionen (!) loswerden wollen. Der gemeine Anfänger freut sich wahnsinnig und ahnt gar nicht, auf welches Glatteis er sich begibt.
Denn: Amazon mag so etwas überhaupt nicht. Wer dabei mitmacht, spielt mit seinem Rezensenten Account. Meine Empfehlung: bewertet nur Produkte, die ihr tatsächlich selbst gekauft oder über Amazon (Vine) selbst zur Verfügung gestellt bekommen habt. Bis es soweit ist, dauert es aber.

Aus dieser Ecke kommen auch die meisten höllischen Anfragen

Die professionellen, oft asiatischen Händler schreiben wie toll sie dich finden, wie großartig dein Blog ist, bitten dich, ein Produkt aus ihrem Sortiment zu kaufen, was für dich natürlich völlig kosten-und risikolos ist, denn man bekäme das Geld dann (mit Glück) über Paypal erstattet, aber natürlich erst, wenn man

  • eine 5-Sterne-Rezension bei Amazon geschrieben hat

oder

  • einen mindestens x Wörter nur positiven aber umfassenden Blogbeitrag – bitte ohne Verwendung des Wortes „Anzeige/Werbung“, wenn möglich noch mit Fotos oder Video.

Mit letzterer Variante macht sich ein Blogger übrigens abmahnfähig (siehe dazu auch meinen Beitrag auf dem Damenhaftblog “Alles Werbung – oder was?” )

Wer ein wenig in den bekannten Blogger- und Testergruppen unterwegs ist, wird schnell lernen, dass es oft Ärger bei der Erstattung gibt.

Denn: was ist, wenn das großartige, CE-Siegel-freie Glätteisen beim ersten Gebrauch die Haare röstet? Oder: ihr schreibt eine Rezension und dann kommt kein Geld? Alles inzwischen auf dem Markt der unbegrenzten Möglichkeiten gängig. Natürlich gibt es auf beiden Seiten schwarze Schafe.

Du bekommst eine tolle Anfrage, weil dein Blog so kompetent und großartig ist? Es fehlt aber die persönliche Ansprache? Frag den Händler doch  mal, was er an deinem Blog mag und warum er glaubt, sein Produkt würde super passen. Diese Illusion kann ich dir nehmen. Die wenigsten Händler kennen deinen Blog. Sie suchen dich unter den Top-10.000-Rezensenten und schreiben Massenmails.

Es ist schwer, sich im Testermarkt zu etablieren. Du fängst an, für Drogeriemärkte kurze kostenfreie Beiträge über die neuesten Relaunches zu schreiben, denn du hast es ja in deinen ersten Olymp geschafft: du bekommst den Blogger-Newsletter. Auch hier gibt es noch kein Glitter, Glanz oder Gloria. Nur Arbeit. Ein Blogartikel zur beliebten Rossmann-Schön für Mich-Box kostet mich beispielsweise gute 3 Stunden Arbeit….das bringt mir Leser, aber noch keine kostenlose Box im Gegenzug für den Beitrag, nicht mal ein Danke von Rossmann. Du hast damit noch nicht mal eine Kooperation. Du machst es vermutlich, um erst mal “Reichweite” aufzubauen, dich zu etablieren, regelmäßig Leser zu bekommen.

Bloggen als Produkttester oder entsprechende Kooperationen sind kein Ponyhof – gerade am Anfang.

Du kontaktierst Unternehmen mit moderaten Preisvorstellungen und einem personalisierten Anschreiben, um eine Kooperation zu bekommen. Am Anfang wirst du erst mal abgelehnt. Zu geringe Reichweite, Kooperationen erst ab mindestens 10.000 Klicks / Monat. Andere schreiben dir, 200 € für einen Beitrag sei aber etwas hoch gegriffen für einen professionell recherchierten Artikel und Fotos. Durch das Tal der Tränen muss man durch.

Also bewirbst du dich auf einschlägigen Tester-Seiten, die dir das Blaue vom Himmel versprechen, langfristige Kooperationen anbieten. Dafür hinterlässt du persönliche Daten. Dein Alter, Geschlecht, verheiratet, Hobbys…das ist Bargeld für die Marketing-Strategen. Du selbst hast davon erst mal nichts.
Noch besser: du darfst für den einen oder anderen immerhin schon mal ein “Pixel” auf deiner Seite einbinden, mit denen deine Besucherzahlen getrackt werden. Auf der Seite selbst werden dir schon mal vielversprechende Bilder “möglicher Kooperationspartner” mit aktuellen Angeboten gezeigt.

Was bekommst du dafür?
Nun, nicht den Himmel. Hör auf zu träumen! Nur die Hoffnung, irgendwann eine Kooperation zu bekommen.

Du darfst dich auf tolle Staubsauger oder auf Tablet-PCs bewerben?
Schau mal genau hin. Du darfst dafür zum Beispiel den Staubsauger mit einer UVP von 300 €, die vermutlich im Handel nie aufgerufen wird, gegen ein Deposit von 150 € bewerben und das Produkt 4 Wochen auf Herz und Nieren testen. Toll oder?
Nein, nicht wirklich. Denn dafür wird erwartet, dass du zusätzlich mindestens einen Bericht auf dem Portal und deinem Blog schreibst, viele tolle Fotos oder besser noch ein Video für YouTube machst und bekommst dann das unschlagbare Angebot, den Staubsauger am Testende für den großartigen Sonderpreis in Höhe des Deposit zu behalten. Prima. Das habe ich mir schon immer gewünscht. Wenn du klug bist, nimmst du dieses tolle “Pseudo-Kooperationsangebot” nicht an. Man lockt dich natürlich mit “wenn uns deine Arbeit gefällt, laden wir dich zu weiteren Kooperationen und Tests ein”. Eine Zusage ist das noch lange nicht.

Du bist wieder auf dem Tester Portal – denn Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – und bekommst nach dem Staubsauger, den du klugerweise abgelehnt hast, nun die Super-Gold-Kooperation angeboten! Du darfst Tinder oder ein Partnerportal im Premium-Modus für 50% Rabatt ausgiebig testen.

Moment – da war doch was?

Haben die vielleicht überlesen, dass ich glücklich verheiratet bin? Mein Mann wird begeistert sein, wenn ich auf einmal Tinder oder Partnerportale teste. Als nächstes vielleicht eine Seitensprungagentur?

Ach da kommt wieder eine E-Mail. Ein großartiger Produkttest von Ying Ling. Ihr Chef ist so begeistert von meiner Kompetenz und meinem Blog. Sie würden mir gern ihr Spielesortiment zusenden und bieten mir eine “vielversprechende Langzeitkooperation” an. Spiele – ich lese weiter – Erotik-Spielzeug. Hervorragend. Am besten noch mit Foto und Video? Die Kollegen werden ihren Spaß haben. Zack, ab in die Datenmülltonne. Zielgruppenmarketing par excellence.

Bling, die Datenkrake Internet hat wieder zugeschlagen, eine neue Mail ist da.
Topic: Kosmetik. Jaaaa, ich liebe Kosmetik, Neugier! Was schreibt der Anbieter, ich lese…sprachlos: „Sie haben so ein schönes Kosmetikinstitut, ihre Webseite ist ansprechend und professionell aufgebaut…“ – Moment, ich habe kein Kosmetikinstitut, ich bin nicht mal Kosmetikerin. Ich lache und lese weiter: „…wir sind eine professionelle (!) Marketingagentur, lieben Marketing, …verändern das Internet“. Ja sehr professionell und überzeugend, das Internet verändert ihr wohl nach dem Motto „Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt!“ Herzlichen Glückwunsch zu so einer tollen Marketingstrategie. Auf eine Kooperation mit euch kann ich gut verzichten…

Während ich noch mein Media-Kit bearbeite, um sie einem wirklich netten und vielversprechenden Kooperationspartner zu schicken, kommt wieder ein Bling: Mein Mann schickt mir eine Whatsapp.
Zitat “Schatz, unschlagbare Kooperation: ich koche und du wäscht ab!”
Prima, auf die Kooperation gehe ich nun gerne ein. Da weiß ich wenigstens, was ich bekomme.

Das ist nur ein kleiner Einblick in die Welt der höllischen Bloggeranfragen. Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber das ein anderes Mal!

Viele Grüße,

Uta vom Damenhaftblog

http://www.damenhaftblog.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Post Author
Uta
„Wenn das die Lösung ist – will ich mein Problem zurück!“ Unter diesem Motto hat Uta vor einiger Zeit angefangen, einen Blog zu erstellen – gar nicht so einfach. Aller Anfang ist schwer und inzwischen ist sie von Blogger zu WordPress umgezogen.

Comments

1 Kommentar
  1. posted by
    Tanja L.
    Dez 28, 2017 Reply

    Kenn ich, kenn ich und kenn ich! Stimmt alles! Traurig aber wahr. Aber was solls, ich bin immer mehr weg von Produkttests. Denn ganz ehrlich, wer liest denn schon ernsthaft interessiert durch, wie der 1000. Nagellack von Essie sich so macht oder ob die Xte Variante eines Duschgels von der Drogerie supertoll ist? Das kaufe ich mit für 60 Cent lieber selber, wenn ich es denn haben will.
    Und die Sache mit dem Staubsauger, da wäre ich auch beinahe mal drauf reingefallen, aber noch Geld zu bezahlen damit ich Werbung mache für irgendwen? Ne sorry, das kommt mir nicht auf den Blog!

    Viele Grüße von Tanja

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