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Wieso muss ich was beweisen?

Anfrage Agentur an drei Blogger für eine Berichterstattung über die Neueröffnung eines Hotels in Berlin.

Aufgabe/Anfrage:
– Besuch des Events, zwei Stunden bei Eröffnung.
– Artikel mit mind. 600 bis maximal 1000 Wörtern schreiben
– im eigenen Netzwerk (Blog) zzgl. Instagram, Pinterest und Twitter teilen.

(Der Dialog ist stark verkürzt und nur auf die wesentlichen Elemente herunter gebrochen, Name der Bloggerin geändert.)

Bloggerin: Ich möchte mich gerne für das Storytelling für die ihr einen Blogger/Bloggerin sucht, bewerben. Da euer Kunde ein Hotel ist und ich mich auf Touristik, Reisen und Freizeit spezialisiert habe, könnte ich euch anbieten, auf meinem Blog über die Neueröffnung des Hotels in Berlin zu schreiben. Hierfür würde ich € 150,- Reisekostenpauschale und € 600,- für die Story und das veröffentlichen auf meinem Blog kalkulieren. Weitere Spesen werden gesondert berechnet.

Agentur (UrbanDivision): Hallo Yvonne, schön dass Du uns bzw. unseren Kunden unterstützen möchtest, damit wir dein Honorar konzipieren und auch faktisch analysieren können, schicke uns bitte deine Mediakit, insbesondere die Reichweite deines Blogs und wo du den Artikel in welchem deiner Netzwerke streuen kannst/wirst. Hierzu benötigen wir entweder eine gängige Analyse aus Google Analytics (Zahlen der letzten 6 Monate) sowie deine Media-Volumen über Instagram, Pinterest und Twitter. Reichweite ist zwar nicht ganz so wichtig, doch eine Gegenüberstellung der „harten Fakten“ zu deinem Honor ist in einer seriösen Mediaplanung für uns und auch gegenüber dem Kunden wichtig.

Bloggerin schickt uns ein „Mediakit“ mit Zahlen aus Webanalytics ihres Hoster 1&1. Faktisch werden hier in der Regel die dreifachen Zahlen einem Webseitenbetreiber ausgeliefert, da die Analysenprogramme der großen Hoster meist keine Besuche von Suchbote ausschliessen können. Somit ergeben sich oftmals Volumina, die bis zu dreimal höher sind, als die „Netto-Zahlen“. Auf weitere „Design-Details“, Rechtschreibfehler und fehlende/alte Kontaktdaten sowie (nachdem wir ein paar Zahlen geprüft haben) einige „geschönte“ Daten melden wir uns bei ihr.

Agentur: Hallo Yvonne, wir haben festgestellt, dass deine Unique Besucher und Seitenbesuche vom Hoster eigenen Analytics getrackt wurden. Bei den (wir runden mal auf) von dir genannten Zahlen, würden wir dir maximal € 400,- inkl. Spesen und Reisekosten zahlen. Alles darüber hinaus wäre nicht in Relevanz zu deinen Zahlen und zum „Wert“ deines Netzwerkes.

Bloggerin: Verstehe ich nicht. Mein Preis ist mein Preis. Und wenn es nur ein paar hundert weniger Besucher sind, ist es doch nicht dramatisch. Ich teile ja auch in den anderen Kanälen. Ich finde 750,- dafür nicht viel.

Agentur: Wir verstehen deine Seite, doch in Anbetracht der doch recht „geschönten“ Zahlen (die nicht mal wirklich valide sind) und im Vergleich mit anderen Medien steht dein Honorar in keinem Verhältnis zu deinem Mediavolumen. Und gegenüber dem Kunden müssen wir zumindest ein paar Zahlen begründen können, auch wenn wir die Reichweite gegenüber dem Auftraggeber immer noch mit anderen Vorzügen „abschwächen“ könnten ist doch der Gesamtpreis einfach viel zu hoch. Wir würden empfehlen, dass Du deine Seite z.b. mit Google Analytics trackst und auch Spam-Bots bei deinen Ergebnissen ausschliesst. Dies geht bei GA ziemlich gut und gibt recht sichere und auch valide ehrliche Zahlen.

Bloggerin: Ach ne, darauf habe ich keine Lust. Das mit Analytics ist mir zu kompliziert und wieso muss ich überhaupt sechs Monate „beweisen“. Muss ich das? Ich musste mein Mediakit und meine Leistung noch nie begründen und wenn ihr es nicht zahlen wollt, dann lasst es doch einfach. Ich brauche solche Jobs ja nicht machen. […und hier kamen dann noch ein paar andere Nettigkeiten….]

Agentur: Liebe Ivonne, verstehe bitte, dass wir bei diesen und ähnlichen Dingen IMMER auch alle Für- und Wider abstimmen und abgleichen möchten, denn Transparenz ist nicht nur für Dich sondern auch für uns als den Kunden wichtig. Wenn du die von uns vorgeschlagenen Tools nicht einsetzen willst bzw. keine validen Zahlen liefern kannst ist das Schade, jedoch nicht zu ändern. Somit müssen wir die mögliche Zusammenarbeit an dieser Stelle leider absagen. Vielen Dank für deine Mühe, wir werden uns dann nach einem anderen Blogger umschauen.

Bloggerin (nachdem einige Tage vergangenen waren): Hallo, ich wollte nur noch mal sagen, dass ich es total doof finde, dass ihr einem erst einen guten Job in Aussicht stellt und dann wieder absagt. Das sollte man von einer professionellen Agentur anders erwarten. Aber wahrscheinlich macht ihr das mit vielen (jedem?) so und den Kunden gibt es bestimmt gar nicht und ihr wolltet einfach nur mal so wissen, was und wie man Blogger möglichst günstig abziehen kann, oder? Auf Wiedersehen.

Agentur: Hallo Yvonne, es tut uns leid das du so enttäuscht bist, doch in dem Falle (das soll jetzt nicht böse klingen) „bestimmten wir die Regeln“, denn schlussendlich bezahlt der Kunde auch unser Honorar. Dir steht es frei verärgert oder sauer zu sein, doch das ändert leider auch nichts an Fakten. Viel Erfolg weiterhin.

Post Author
thorsten
Als Impulsgeber sorgt Thorsten für Kooperationen mit Unternehmen, Marken und Medien. Seine Agentur bietet Lösungen im Bereich Online Marketing, Web Design und SEO.

Comments

3 Comments
  1. posted by
    Roman Lange
    Nov 21, 2017 Reply

    Wer etwas verkaufen muss auch sagen, was er dafür liefert. Bei einem Blogger ist es nicht (nur) der Aufwand für das Schreiben, sondern welche und wieviele Menschen den Artikel lesen. So bleibt man halt im Hobbybereich stecken. Ist auch OK, wenn man das denn so will.

  2. posted by
    Urs
    Nov 21, 2017 Reply

    Hummmnnn, schön mal zu lesen dass sich auch “unsere” Seite als Blogger nicht immer “Konform” benimmt. Eine solche Reaktion geht schon fast unter die Gürtellinie. Ich wäre ja schon zufrieden, überhaupt solche Anfragen zu bekommen. Geht ja gar nicht, dieser Ton. Meine meinung

  3. posted by
    Roman
    Nov 24, 2017 Reply

    “Wieso muss ich was beweisen?”

    -> Weil du Geld willst??

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